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Hie Verhandlungen des plovisunschen Landtages.
mit Umsicht, Ruhe, Sachkenntnis und Schlagsertigkeit und leitete die
oft lebhaften Debatten, bei denen es nicht selten zum heftigen An-
einanderprallen entgegengesetzter Ansichten und Meinungen kam, in
musterhafter Weife, obwohl er noch nie in einer parlamentarischen
Versammlung den Vorsitz geführt hatte, da die früheren Ständetage
doch vorwiegend patriarchalifchen Charakter getragen hatten.
Die Sitzungen fanden in der altehrwürdigen „Landstube" des
Ständehauses (Landhauses) in Graz statt.
Dem Präsidenten zur Rechten hatten die Abgeordneten dcs Prälaten¬
standes ihre Sitze, an diese reihten sich die Repräsentanten dcs Herr«
schaftlichen Grundbesitzes; auf der linken Seite saßen die Deputierten
der Universität, des „Ioanneum" und der landesfürstlichen Städte; am
unteren Ende, dem Landeshauptmann gegenüber, waren den Abgeord¬
neten des unterthänigen Grundbesitzes ihre Plätze angewiesen. Die An¬
einanderreihung der Tische und Stühle bildete ein längliches Viereck,
der Raum hinter demselben, durch ein Gitter getrennt, blieb dem Publi-
cum überlassen. Den Stenographen und Journalisten waren Plätze an
den beiden oberen Seiten des Saales eingeräumt; die Secretäre als
Protokollführer saßen an dem Tische des Präsidenten. Regierungs-
Commissäre fanden sich in den Sitzungen des provisorischen Landtages
niemals ein.
Die erste Sitzung vom 13. Juni war von zahlreichen Zuhörern
besucht. Kurz nach ihrer Eröffnung „erschien, vom Landeshauptmann
vorher angekündigt, eine Deputation von Nationalgarden aus Wien
(welche eben damals in Graz zur Verbrüderung mit der hiesigen National-
garoe anwesend war), und ihr Herr Sprecher lder Name wird nicht
genannt) sagte zur Versammlung, er komme, sie zu begrüßen im Namen
aller Kameraden und Bürger in Wien, und schließe die Bitte an, das«
— nachdem die anwesenden Abgeordneten die Repräsentanten des Landes
und diejenigen seien, welche die Basis der Gesetze bilden ^ sie noch
fortwährend mit dem nämlichen Fleiß und Eifer, mit dem sie bis jetzt
für das Vaterland wirkten und lebten, wirken und leben mögen. Diese
Rede wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen und vom Landes¬
hauptmann dahin erwidert, die Herren möchten überzeugt fein, dass
die Stände es sich zur Aufgabe des Lebens machen, für den Monarchen
und das Vaterland soviel Nützliches als möglich zu erzwecken, dass dies
bisher ihre Wicht gewesen und es auch bleiben soll. Die Stände dankten
recht herzlich für die Aufmerksamkeit, die sie ihnen durch ihren Besuch
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