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Höttinger Nudl - unabhängige österreichische Faschingszeitung (1952)
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Höt tinger Nu dl"

Ein moderner Münchhausen. Der Lugen -Ernst
vom Geschlechte der schlampeten Gesellschaft er¬
zählte eines Abends in einer Runde Gleichgesinnter:
Es war eines Tages bei der Reparatur des Stadt¬
turmes in Innsbruck. Meine Untergebenen erstell¬
ten ein Rüst, um zum höchsten Punkt des Turmes
gelangen zu können. Als es fertig war, getraute
sich keiner hinaufzusteigen. Ich nahm einen tiefen
Atemzug und stieg los. Ich stieg und stieg höher
und höher, auf einmal sah ich, daß ich mindestens
ein paar Dutzend Meter über die letzte Sprosse der
Leiter hinausgestiegen war. Höher ging's dann
wirklich nimmer?

Mieß Höttingcn." Der kühne Luis erklärte an¬
läßlich einer Tagung beim Tangler in Hötting unter
großem Beifall seiner Zuhörer, daß Irma Stiegl die
schönste Frau von Hötting sei und ihr deshalb der
Titel „Mieß Hötting" gebühre. Demnächst wird
darüber eine Volksbefragung stattfinden.

Paznaun. Was hat denn eigentlich der „Glatzete
Luis" aus Hötting immer bei uns zu tun? Sogar in
Ischgl wurde er schon ein paarmal gesehen. Ob¬
wohl es in Hötting genug Wirtshäuser gibt, zieht
es ihn immer wieder in die Ferne, wie ein starker
Magnet.

Preisschießen. Beim Preisschießen der diversen
Vereine von Hötting (Schützen, Turner, Feuer¬
wehr usw.) hat anschließend beim Tengler noch ein
Schießen mit Hinterladern stattgefunden. Der Pul-
verdampf war drei Tage lang nicht aus dem Haus
zu bekommen. Auch den Kleidern und einigen
Frauen haftete dieser Pulverdampf einige Tage
lang an.

Achtung, Hundebesitzer! Der Sommerle-j
Luis zahlt für fleischige, gut genährte Hunde
Höchstpreise. Karte genügt, fange sie selbst.

Kulturgroschcn. Der Verband der Höttinger
Totznhacker hat angesichts der pausenlosen Ver¬
folgungen durch die Polizei beschlossen, die Tätig¬
keit einzustellen. Eine Delegation begibt sich in
den nächsten Tagen nach Wien, um wenigstens eine
Subvention aus dem Fonds des Kulturgroschens zu
erreichen.

Die Fußhagglcrin, die im vorigen Jahr die Mei¬
sterschaft beim Tangler erkämpfte, hat sich heuer
eine andere Disziplin ausgesucht. Sie hat sich aufs
Fischen verlegt, Und zwar im Oberlauf des Höttin¬
ger Bachls. Heikel ist sie nicht, es muß nur ein
Fisch sein und einen tollen Schwanz haben.

Geisterspuk. Am Höttinger Bild geischtert's, sogn
die Leit, bsunders dann, wenn der Warme kimmt,
i moan der warme Wind.

Friedenstauben in Hötting. In derHinterwaldner-
sträße werden öfters zwei Friedenstauben gesich¬
tet, die auch da beheimatet sein sollen. Der Frie¬
densrat wurde davon in Kenntnis gesetzt. Durch
diese Tatsache sind die Preise für Baugründe in
dieser Straße ins unermeßliche gestiegen, und jeder
will jetzt dort siedeln, weil diese beiden Friedens¬
tauben ein gutes Omen sein sollen.

Der Saukauf isch direkt a Sauerei gwösn, dös
kun i enk sogn! Der Pilz und der Schlauchegger
hobn wölln a Fack in der Au kafn, der Schlauch¬
egger isch mit an Wogn in die Au außi gfohrn, die
Fack holn. Wia er außi kimmt, isch koa Fack nit
do. Dafür hät er solin Schotter auflegn fürn Pilz.
Es isch alles ganz genau schriftlich niederglögt
woam, aber es hat eben nit sein solin.

Wankelmütige greifen gerne danach, um sich fest¬
zuhalten. Die Rohre sind noch aus bodenständigem
Material (aus Holz) erzeugt, um dem Ort die hei¬
mische Note nicht zu nehmen und für eine gute
Resonanz zu sorgen. Wir alle hoffen, daß uns dieses
Denkmal einer längst vergangenen Zeit erhalten
bleibt. Jeder, der für bodenständiges Brauchtum
noch Interesse hat, möge für seine Erhaltung wir¬
ken.

Denkmal weihe

Schon während der Messe war Baumeister Hans
ein Vorbild der Frömmigkeit. Durch seine frommen
Sprüche erregte er die Aufmerksamkeit der Teil¬
nehmer. Er hatte Geist in sich, der sich auch auf
die anderen ausbreitete.

Anschließend beglückte er alle Gäste auf der
Seegrube mit seiner Anwesenheit. Er ging von
einem leeren Tisch zum anderen und brachte es

Das Wetter

Das Wetter ist sehr unsicher, wie die allgemeine
Weltlage. Ostwärts von Europa zieht sich ein Un¬
wetter zusammen und wird nur durch den Eiser¬
nen Vorhang aufgehalten und vernebelt. Ein Hoch¬
druck im Westen des Bereiches wird diesen Sturm
aus dem Osten abzuschwächen versuchen. Im
Norden ist die Witterung nicht ungünstig, und der
Alpenraum gerät wieder langsam unter seinen Ein¬
fluß.

Vor- und Hinterarlberg. In Ermangelung von
Unterkunftsmöglichkeiten für Autos der zahl¬
reichen Sportler und schlemmerlebenliebenden
Fremden wurde ein Zirkuszelt erworben. Auch ist
man im Begriffe, das Riesenrad vom Wiener Präter
aufzustellen und statt der Gondeln Autos einzu¬
hängen. So ist es möglicn, viele Autos in kleinem
Raum zu bergen. In Betrieb gesetzt, haben dann die
Gäste eine Belustigung, und die Garagenfrage ist
gelöst. Die Hänge und die Straße über Rautz nach
St. Anton werden durch Heißluftausstrahler schnee¬
frei gehalten, so daß der ununterbrochene Verkehr
gesichert ist. Ein Auskunftsbüro in St. Anton ist
in der Lage, zu jeder Tages- und Nachtzeit über
jeweiligen Aufenthalt, Ausflugsort, Befinden,
Stimmung, Kleidung der königlich holländischen
Famüie preiswerte Auskunft geben zu können. Auf
Wunsch können auch persönliche Vorstellungen
zustande gebracht werden. In Ermangelung eines
Kinos wird für die Saison das Höttinger Peterlspiel
verpflichtet.

Ein kostbarer Vorhang. Anläßlich eines Besuches
im Finanzamt mußte ich feststellen, daß man dort
Raubbau an unseren Kunstgegenständen treibt. So
geht das nicht mehr weiter. Als Windfang gleich
hinter der Eingangstür hängt ein schwerer und
kostbarer Teppich. Er dürfte sicherlich durch die
Kriegsereignisse bdehergelangt sein. Es wäre nur
zu begrüßen, wenn sich ein Kunstsachverständiger
seiner annehmen würde, um diesem Prunkteppich
einen würdigeren Platz anzuweisen. Eine allge¬
meine Besichtigung findet demnächst statt, und die
Höttinger Nudl würde sich glücklich preisen, wenn
sie es gewesen wäre, die dieses Kleinod der Nach¬
welt erhalten hat.

Dienst am Kunden. Dieser Tage saß ich in einem
Hotel am Bahnhof. Die Tür ging auf, und ein älte¬
rer Herr trat ein, setzte sich an einen freien Tisch
und bestellte beim Ober ein Gulasch. „Leider",
sagte er, „haben wir keines!" „Aber Sie werden
doch ein Gulasch haben!", erwiderte jener. Der
Herr Direktor kam gerade zur Tür herein, schritt
sofort auf den Gast zu und begrüßte ihn sehr
freundlich mit den Worten: „Aber, lieber Herr
Graf, Sie hier? Aber natürlich haben wir Gulasch,
ich werde es sofort servieren." Nach allen Seiten
sprangen nun die Bediensteten in die umliegenden
Gaststätten, um eine Portion aufzutreiben, und sie
trieben eine auf. Ist das nicht Dienst am Kunden im
wahrsten Sinne des Wortes?

Da streiten sich die Leut herum, ob Gänsekiel
oder Füllhalter? Ich frage an, ob es nicht besser
wäre, Streusand an Stelle von Löschpapier zu ver¬
wenden? Ich erinnere mich noch genau an die Zeit,
als ich in die Hose machte, und heute geh' ich auf
den Abort. Ja, so ändern sich die Zeiten.

Fremdenverkehr. Da mit einem lawinenartigen
Anschwellen des Fremdenverkehres zu rechnen ist,
können sich die Eingeborenen nur mehr mit einer
Lawinenschnur durch die Altstadt bewegen.
Wie uns mitgeteilt wurde, wird das Fotografieren
des Goldenen Dachls künftighin nur mehr mit Er¬
laubnisschein gestattet sein. Die Altstadt wird in
Hinkunft nur mehr für Besichtigungszwecke zur
Verfügung stehen. Den Einheimischen wird es un¬
ter strengen Strafen verboten sein, sich in der Alt¬
stadt aufzuhalten

Unterirdisches. Genau so wie London und Mos¬
kau ihre Untergrundbahn besitzen, wird Innsbruck
seine unterirdische Waldkapelle erhalten. Wir fra¬
gen an, ob für uns nicht ein überirdisches Häusl
genügt hätte? Hoffentlich konzentriert sich dort
nicht Innsbrucks Unterwelt.

Katastrophenwinter 1951. Dieser Winter brachte
derartige Schneefälle, daß die Arbeitskräfte nicht
mehr ausreichten, diese Schneemassen zu bewälti¬
gen. Sogar die Beamten mußten den Bleistift mit
der Schaufel vertauschen. Alles, was irgendwie
Rang und Namen hatte, war auch dabei. Sie spuck¬
ten in die Hände und legten die Schaufel wieder
weg. Sogar die Polizei war dabei. Im großen und
ganzen kann gesagt werden, daß es eine schöpfe¬
rische Tätigkeit war.

Lapphalb

Vor kurzer Zeit wurde im Flunger Jagdrevier
ein alter balzender „Auerhahn" beobachtet. Ob
mit einer Vermehrung des Auerwildes zu rechnen
ist, muß abgewartet werden.

Die Schwäche. Jeder Mensch hat eine Schwäche.
Manche haben mehrere zugleich. Eine Schwäche
für den Berg- und Skisportverein hat der Sauri-
T o n i. Der Verein geht oft zu ihm auf einen
Plausch, und zur Belustigung werden Spiele ver¬
anstaltet. Das schönste Spiel ist unzweifelhaft das
Russen- und Eierspiel. Nach dem Spiel hatten alle
gelben Anstrich und Russengeruch an den Klei¬
dern.

Ruhestörung. In der Daxgassen isch oft die Nacht
a Mordsverkehr. A Verkehrspos tn tat sich da wirk¬
lich schon reritiern. Manche behaupte, er war
außerehelich, bittschön, i woaß dös nit, wos dös
höaßt. Do wem die Fenschter oft mit der Tür ver-
wexlt, weü*s bei der Nacht so dunkl isch. Zuagiahn
tuat's of t wia afn Hexnbödele obn. Um die Geisch-
terstund lafn oft die Hexn ausm Haus mit Bösn
und Steckn und führn an Tanz au, an ganz an
grausign. Wenn nit Poli dabei warn, müaßt man si
direkt fürchtn.

Südtiroler Fahrt. Die Höttinger Musigg hat amol
aii Ausflug nach Südn gmacht, und da isch in
Kapellmoaschter Morgnstund a groaßes Unglück
passiert. Vor lauter nit achtgöbn hat er seine Zähn
verlorn. I glab aber, es müassn unbedingt seini
drittn gwösn sein, dö nimmer weah toan. Wia er vor
lauter Zoarn af seini Zähn beißn will, hat er's
gmerkt, daß er sie nimmer hat. Alli Höbl und sogar
die Polizei isch in Bewegung gsetzt woarn, und
koaner hat sie gfundn. latzt muaß i enk no sogn,
warum er Morgnstund höaßt. Dös isch ganz oan-
fach, weil er Gold im Mund hat. Die ganzi Auf¬
regung war aber ümsunscht, weil die Zähn in der
Händtaschn vun seiner Frau gfundn woarn sein.
Kunn nimmer blasn, nimmer bläsn,
Hob verlorn mei Zahnprothesn.

Der Tuipelegeist spukt im Oberdorf, und der
Blinzler-Peper 1", ein grundgescheiter, star¬
ker und guraschierter Mann, begleitet jedn, der si
bei der Nacht den Wog nit alloan zgiahn traut,
hoam. Ja, er geht direkt von oan Wirtshaus ins
andri, ob nit oaner do isch, der si rdt hoamtraut.

Unfug. Wie wir aus verläßlicher Quelle erfahren,
wird dem Unfug der Betriebsausflüge in nächster
Zeit radikal Einhalt geboten werden, weil derartige
Veranstaltungen zu sehr an die NS.-Zeit erinnern
und ausgesprochenes NS. -Gedankengut darstellen.

Neuer Parkplatz. Knapp oberhalb der stinken¬
den Ritschn in der Höttinger Gasse befindet sich im
Sommer ein öffentlicher Parkplatz, der von den
Fremden gerne in Anspruch genommen wird. Die
Einheimischen zwängen sich durch die abgestellten
Autos und putzen mit; ihren Kleidern die Wägen
blank. Mehr kann man doch wirklich nicht ver¬
langen.

Heimatschuß

Um der Modernisierung Einhalt zu gebieten,
haben sich einige Höttinger zusammengefunden,
um das würdige Alte zu erhalten. Daß dies gelun¬
gen ist, ist ihr alleiniges Verdienst. Sämtlichen Wi¬
derständen zum Trotz ist es ihnen gelungen, die
Modernisierung des Aborts im Gasthaüs „Knapp
am Ögg" hintanzuhalten. Der Geruch dieses Heilig¬
tums ist einmalig und gehörte in einem Geruchton¬
film festgehalten. Man würde dabei zu Tränen ge¬
rührt werden. Dabei ist dieser Ort nicht etwa als
veraltet anzusprechen. Zur rationelleren Ausnüt¬
zung sind gleich zwei Löcher zur Benützung frei¬
gelassen, also ein ausgesprochener Bruderschafts¬
abort. Gleich daneben befindet sich die Rinne, j

innerhalb kurzer Zeit dazu, daß der Tisch voller
Leute saß. Er setzte dies so lange fort, bis sämt¬
liche Räume der Seegrubenstation vor Überfüllung
geschlossen werden mußten. Die Bergsteiger und
Gäste der Denkmalweihe hatten sofort Kontakt
aufgenommen mit den anwesenden Fremden, und
besonders mit dem weiblichen Geschlechte. Diese
Verbrüderung nahm Formen an, die nicht einmal
ein Optimist vorauszusagen wagte. Mittags zog ein
Gewitter auf in Form der Ehegesponsinnen, die da¬
mit nicht einverstanden waren. E$ gab Handschläge
ins Gesicht, die Eindrücke hinterließen. Ein Gro߬
teil verließ fluchtartig die Stätte ihres Wirkens. Die
Festfreude war dadurch arg gestört. Man dachte an
die Heimat und fuhr ab. Hans wurde als kohlen¬
saure Leiche verladen. Ein Anruf von der Hunger¬
burg genügte, um sein Auto in Marsch zu setzen.
Richtung Hungerburg. Nachdem er der Besitzer
des Wagens war, lenkte er ihn auch, und dieses
Recht ließ er sich unter keinen Umständen streitig
machen. Ein Baum verhinderte sofort die Fahrt.
Hans sah allerdings zwei und wollte zwischendurch
fahren, was ihm nicht gelang. Wie später fest¬
gestellt wurde, war es nur ein Baum. Hansens
Niederlage dauerte volle acht Tage.

Von den Nachbar- Rebupliggen

Aus dem Gemeinderat. Bei der letzten Sitzung
des Gemeinderates wurde der Beschluß gefaßt, das
Projekt eines Tiergartens ernstlich ins Auge zu fas¬
sen, weü die Viecher dafür schon vorhanden sind.
Mit seiner Eröffnung kann im Jahre 19hundertund
gerechnet werden. Weiters wurde, um den Wün¬
schen des Publikums zu entsprechen, eine Qbus-
linie auf die Hungerburg geplant. Die Ausführung
bleibt späteren Generationen vorbehalten. Auch die
Seilbahn auf die Mutterer Alm wurde in den Be¬
ratungen gestreift und dabei betont, daß man kein
Jahr sicher ist, daß mit dem Bau begonnen werden
wird werden. Die KanalisierungHöttings
ist noch nicht spruchreif, weil der Eingang in diese

nur unter Zuhilfenahme des Riechers gefunden
werden kann. Es wurde angeregt, in den Fremden -
Verkehrsprospekten darauf hinzuweisen^ damit
auch der Fremde den Einstieg finden kann. Ein
heftiger Streit entwickelte sich während der De¬
batte um das Denkmal für den Berg-Isel-Gustl.
Die Popositzion verließ unter Absingen häßlicher
Lieder den Sitzungssaal.

Aus dem Gewerkschaftsbund. Der Gewerk¬
schaftsbund stellt ausdrücklich fest, daß das
5. Lohh-und-Preistreiber-Abkommen unbedingt
einzuhalten ist, andernfalls mit dem 6. und weite¬
ren zu rechnen sei.

Mund um den altn fiöttingev tum

Meini liabn Leit, i kunn enk sogn, es weard olli
Johr schwarer für mi. Die Leit hobn koan Humor
und koa Geld meahr. Es wül oanfach nix mehr pas-
siern. I muaß schon teifliscb aupassn, daß miar ja
nix entgeaht. Die Leit wearn alm moralischer und
sittlicher, und i glab fascht, daß sie direkt aupassn,
daß ihnen nix passiert, weil sie Angscht hobn voar
miar. Wenn i so durch die Straßn geah, nacher
muaß i alm lachn, wenn in die Leit 's Lachn ver-
geaht. Am böstn isch's allweil, i geah zwischn Dunkl
und Siegschminit auf mein Gong, nacher siech i
decht alm wieder eppas und derfrog wieder eppas.
I moan, die Nudl isch die oanzigi Zeitung, dö af die
Löser an güath Einfluß ausüabt:

In Gotts Nammen, fang mer halt un. Wia voarigs
Jahr so viel Schnea gfalln isch, sog i zu mein
Buabn: „Nimm a Schaufl und schöpf in Schnea vun
Gehsteig wöck, daß sie ja koaner in Haxn bricht, i
geah ins Stadtmagistrat eini und zohl die Gehweg¬
reinigungsgebühr. Woascht, da muaß man recht
pünktlich sein, sunscht wearst gstraft." Ins Wör-
terbuach hob i amol einigsehaugt, wos eigentlich
dös Fremdwort Häusherr hoäßt, und da hob i glösn:
„Hausherr ist gleich Hausdiener oder besser aus¬
gedrückt Hausknecht. Früher einmal war der
Hausbesitzer der Herr Hausherr. 1 '

Wia i zruck kemman bin vun der Stadt, hob i in
der Höttinger Gossn untn a Nosn voll gnommen

und bin aui zun Kirchplatzl. Schaug, hun i miar
denkt, do hobn s' gor a nui Lompn montiert, wahr¬
scheinlich, daß die Frömdn die Höhnstroßn findn
können, oder hat dös Liacht vielleicht decht an an¬
dern Zweck? Vielleicht daß man die Tür zur Höhh-
straßn leichter findet? Durch die Schneaburggassn
bin i aui, und grod do, wo die Steigung unfangt,
hobn &' iatz a Apotheggn eini gmacht in hintern Toal.
Vun dem Wiartshaus nämlich. Siegscht, hun i miar
denkt, dös isch woll praktisch. Wenn dir vu dön
Gsief übl weard, nacher kunscht glei in die Apo¬
theggn eini sausn um Hofmannstropfn oder um a
Gögngift. Oder wenn oaner am Watschplatzl a
Fotzn kriagt, daß 'n umdraht wia an welschn Totzn
und iahm an Trial auziacht wia a kloaners Wäch-
terheisl, kun er sie glei a Essigsauri holn und an
Umschlag machn um die ganzi Faschad. Jessas,
hobn s' aber dös Haus schian ouerputzt, ober nur oa
Seitn. I woaß nit, hat der Mol er die oan Seitn ver-
gössn, oder keahrt die oäni Seitn an andern.

Wia i bein Tengler vorbei geah, isch's ganz hoach
hergangen. I bin eini, wei' i schon denkt hob, do
brauchn s' mi bestimmt. I mach die Tür au, do hear
i schon in Luis sei sympathetische Stimm. Weil er
grod amol in Redefluß drein war, hat er nimmer
aühearn wÖlln. Dös isch alm dös Öllend bei iahm.
In Geischt für dö Rod hat er sich vorher beim Burn I
obn gholt. „Komerodn", hat er gsagt, „im Nomen |

meiner und im Nomen des Kommandanten und des
Stöllvertröters und Schriftführers und Kassiers
muaß i enk sogn, und a im Nomen vun Adutanten,
sogn, daß miar in insrer Mittn oan hobn. Kome¬
rodn! Und i muaß sogn als Obmann von der Fuier-
wöhr, im Nomen meiner und im Nomen vun in-
sern Kommandanten, für der gänzn Fuierwöhr für
insrer Einheit Hötting, daß miar oan hobn, an auf¬
rechte, in insrer Mittn. Komerodn, dös isch gwiß,
auf den können miar ins verlassn und a stolz sein."
In dear Tonart isch's weitergangen, und i bin bein
Loch außi. Wos dös für oaner war, hob i nimmer
gheart, af jedn Fall war er in ihrer Mittn. I bin in
die andri Stubn eini, und da hat's gar nit lang
dauert, kimmt der Luis daher. Wahrscheinlich
hobn s' iahm entn dergremmt. Wia er in Komman-
dantn gsöchn hat, isch er iahm glei um den Hals
gfalln und hat iahm a Bussl göbn. Dö zwoa hobn
lang ihri Damengitzler gwötzt, und i hob ihnen ganz
im stilin guatn Appetit gwünscht. Der Luis hat
gsagt: „Pepi, wenn du jemals das Pech hobn soll-
tescht zum Sterben, nacher sog i dir in meinem No¬
men, daß i dir glei in die Gruabn nachhupf." Und in
fünf Minuten drau sein boade untn glögn, aber
untern Tisch.

Wia i voar die Tür außi kimm, steaht mei Bua,
der Michele, außn. Iatz sog i: „Kimm glei mit, iatz
kimmt die Prozession näher." Die Musigg und die
Schützn worn a dabei. Am Dorfplatzl" war's Evan-
l. Die Schützen hobn Front gmacb^t, der Leitnont
oder gor der Herr Haupmann selber isch schon a i
bißl nervös gwösn. War dös am End die Vor- |

ahnung? Af amol ziacht er sein Sabl aus der
Schoadn und fuchtlt in der Luit umanand Mei Bua