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Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Bd.17 (1891)
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Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins.

Nr. 17.

schaftlichen Arbeiten und der Begehung der hohen Regionen
des Gebirges eine mathematisch genaue Grundlage bieten,
die zu schaffen die Kraft des einzelnen Forschers immer über¬
steigt, und die Publication der auf derselben basirenden
Specialkarte wird für die Kartographie des kaukasischen
Hochgebirges epochemachend sein.

Eine werthvolle Bereicherung hat die Literatur des kau¬
kasischen Hochgebirges durch die Veröffentlichung der Er¬
gebnisse der Bergreisen des Jahres 1888 in den Proeeedings"
der Geographical Society und im „Alpine Journal" erfahren,
und mit Genugthuung können wir darauf hinweisen, dass
diese Arbeiten alpinistischen Kreisen entstammen.

Der im Jahre 1889 zu Paris abgehaltene internationale
geographische Congress bot dem Verfasser Gelegenheit, in
einer der allgemeinen Sitzungen Mittheilungen von seinen
während der Reisen 18841887 ausgeführten Forschungen
über die orographischen und glaciologischen Verhältnisse
des centralen Kaukasus unter Vorführung von Karten und
Projectionsbildern nach eigenen Aufnahmen zu machen.*
Ich möchte an dieser Stelle an jene wichtige der Wissenschaft
zu leistende Dienste erinnern, die jeder Reisende in den
kaukasischen Gletscherregionen durch mit einfachen Mitteln

* Siehe in den Publicationen des internationalen geogra¬
phischen Congresses von Paris 1889: M. de De"chy: Kecherches
bot l'orographie et la glaciologie du Caucase Central. Extrait
abräge d'une lecture donnäe ä la säance gönärale du 9 aoüt.

(Schluss

und ohne viel Zeitverlust zu bewerkstelligende Beobachtungen
an- den kaukasischen Gletschern, insbesondere deren Bewe¬
gung, sei es Vorschreiten oder Rückgang, zu machen in der
Lage ist. An drei Gletschern des Nordabhanges und an
einem Gletscher des Südabhanges wurden solche Beob¬
achtungen in den Jahren 18851887 durch mich ausge¬
führt. Solche vereinzelte Beobachtungen erhalten jedoch
ihren Werth durch fortgesetzte Distanzmessungen der zurück¬
gelassenen und entsprechend bezeichneten Signale. Die bis
nun gewonnenen Resultate sind in dem erwähnten, dem
internationalen geographischen Congresse von Paris vorge¬
legten Berichte, in mehreren anderen meiner kaukasischen
Publicationen,* sowie in einer in den Proceedings der Royal
Geographical Society demnächst erscheinenden Note nieder¬
gelegt, in welch letzterer auch die zu befolgende Methode
kurz angeführt erscheint. Es ist höchst wünschenswerth, dass
die eventuelle Fortsetzung der Beobachtungen an diesen
Gletschern, sowie neu angereihte in den Fachzeitschriften
regelmässig veröffentlicht werden.**

* Siehe auch in Betreff des Ceigletschers: M. v. D6chy: Das
Massiv des Adai Choch mit Karte, in Petermann's geographischen
Mittheilungen 1889, Heft IX.

** Es sei mir gestattet, an dieser Stelle meinem geehrten
Freunde, Professor Richter an der Universität Graz, dem
ausgezeichneten Gletscherforscher der Ostalpen, meinen Dank
für auf reicher Erfahrung und Kenntnissen beruhende Mittheilun¬
gen über Gletscherbeobachtungen auszusprechen.

folgt.)

Resultate der Färbung des Hohlenflusses Reka im Karste mit Fluorescein,

Von Friedrich Müller in Triest.

Schon seit Anfang dieses Jahrhunderts beschäftigt sich
der Magistrat von Triest mit der brennenden Frage, der Stadt
gutes Trink- und Nutzwasser zuzuführen. Er hat sein Haupt¬
augenmerk auf den Höhlenfluss Reka gerichtet, welcher bei
St. Canzian unter der Erde verschwindet und — der allge¬
meinen Annahme nach — den Grund der 321 Meter tiefen
Lindner Höhle beim Dorfe Trebich durchströmt, und dann
theils bei der Aurisina-Wasserleitung, einer Pumpstation an
der Meeresküste unter Nabresina, wo starke Quellen hervor¬
brechen, wiedererscheint, theils im Timavus seine unter¬
irdischen Wässer dem adriatischen Golfe zuführt.

Seit Jahren schwebt nun zwischen der Stadtgemeinde
Triest und der Südbahn-Gesellschaft ein Wasserrechtsstreit
wegen Ableitung der Reka bei Ober-Urem, ca. 7 Kilometer
oberhalb ihrer Einbruchstelle in den Karst bei St. Canzian.
Bei Ober-Urem verliert sich in besonders trockenen Jahren
ein bedeutender Theil des Rekawassers in Spalten, welche
sich innerhalb des Flussbettes befinden. Im Jahre 1861 ver¬
lor sich die Reka sogar ganz in diese Klüfte und die Mühlen
vor St. Canzian waren ohne Wasser. Das Wasser begann
erst wieder zu rinnen, als die Müller die Spalten verstopften.

Messungen der städtischen Ingenieure von Triest ober-
tmd unterhalb dieser Durchsickerungsstellen (hier Spandi-
menti genannt) ergaben folgende Resultate:

Bei sehr kleinem Wasserstand:

9. Oct. 1890, oberhalb der Spandimenti 47.260 Ckm. in 24 St.
9. unterhalb 45.135 „ „ „ n

17. oberhalb 89.856

17. unterhalb 66.009 „

Die Gemeinde Triest trägt sich mit der Absicht, von
oberhalb dieser Stelle, in welche sich das Wasser verliert,
einen gemauerten Canal längs des Rekaufers bis zur Einmün¬
dung nach St. Canzian zu bauen, um so dem oberwähnten
Wasserverlust auszuweichen. Die Südbahn-Gesellschaft, um
ihre für den Betrieb hochwichtige Wasserleitung bei Aurisina
besorgt, protestirt aber gegen den Bau dieses Canales, mit
der Behauptung, dass das bei Ober-Urem verschwindende
Rekawasser auch ihre Leitung bei Aurisina speise.

Um nun diesen Zusammenbang oder NichtZusammenhang
mit der oberen Reka und den bei Aurisina hervorbrechenden
Quellen klarzustellen, regte die Stadtgemeinde Triest die
Färbung des Flusses mit Fluorescei'n in einem Quantum von
22 Kilo an. Die Regierung ging auf das Ersuchen ein, er¬
klärte aber, dass 10 Kilo dieses Färbestoffes für diesen
Zweck genügen.

Am 12. Juni 1891 wurden oberhalb Ober-Urem von einer
Regierungscommission um ü 1 /}* abends 10 Kilo Fluorescein
mit 6 Kilo Aetznatron in grösseren Behältern aufgelöst, mit
Wasser verdünnt und dieses in den Fluss geschüttet, welcher
sich alsbald intensiv hellgrün färbte.

Programmmässig, nach den Berechnungen eines Hydro¬
technikers der Regierung, wachten am nächsten Tag, den
13. Juni, von 6 h morgens bis 6 h abends gleichzeitig Com-
missionen in der Lindnerhöhle bei Trebich und an den Quellen
der Aurisina-Wasserleitung, sowie am Timavus, um das ge¬
färbte Wasser zu beobachten, aber in dieser gesetzten Frist
wurde bei keiner Beobachtungsstelle eine Fluoresceinfärbung
bemerkt.