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Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Bd.34 (1908)
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Nr. 14.

Mitteilungen des Deutschen und österreichischen Alpenvereins.

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jubilierten k. k. Revierförsters zu Bramberg, der damals im
Alter von 68 Jahren stand, unternommen, wobei Rohr egger
durch eine Lawine in eine Keeskluft geschleudert wurde,
aus der er nur, wie durch ein Wunder, schwer verletzt
gerettet werden konnte.- Als Großneffe Paul Rohreggers
gedenke ich nun am 8. August das 80jährige Jubiläum
jener Erstersteigung in der Kürsinger-Hütte auf alpine Art
und Weise zu begehen und lade Gleichgesinnte zu freund¬
licher Teilnahme ein."

Älois Eohregger, rstl. Schwarzenbergscher Revierförster.

Eine neue Gefahr für die Alpenflora. Wir erhalten folgende
Zuschrift: Ich las unlängst im Grazer „Tagblatt", daß das
oberländische Verkehrsbureau in Interlaken zum Schütze der
Alpenblumen einen Aufruf versendet, daß laut wissenschaft¬
lichen Gutachtens der Alpenflora der Untergang drohe, wenn
nicht der schonungslosen Plünderung der Berge Einhalt ge¬
boten werde. In dem Aufrufe wird zum ersten Male auch
der schädlichen Wirkung der Schulausflüge für die Alpen¬
blumen gedacht. Es heißt da: Ein einziger Verein oder eine
Schulklasse von 30 Köpfen vernichten mit Leichtigkeit 1500
Blüten, indem sie sie zu Tal tragen. Oft gelangen die Pflanzen
nicht einmal nach Hause, was auf Bahn- und Schiffshaltestellen
Karren voll zertretener Blumenleichen bezeugen. Nun öffnen
nach und nach die Bahnen auch entferntere Täler dem großen
Strome und die Fußgängertrupps dringen auch in die ent¬
fernteren und natürlichen Zufluchtsstätten der Alpenblumen."
Diese Darlegungen veranlassen mich, auf eine andere, ich

flaube zum mindesten ebenso große Gefahr für die Alpen¬
ora hinzuweisen, die mir wiederholt auf meinen Bergwan¬
derungen inne ward. Und diese Gefahr der Vernichtung
droht unseren Alpenblumen und ganz besonders deren Kö¬
nigin, dem silbersternigen Edelweiß, von Seite der im alpinen
Gelände operierenden Truppen. Wer da Zeuge war, wie
jeder der zahlreichen Marssöhne seine Kappe mit einer Menge
dieser herrlichen Blume oft rundherum garnierte, dem mußte
als warmen Naturfreund das Herz ob solch zwecklosen
Frevels wehtun. Hier könnte vielleicht.eine mahnende, auf¬
klärende Belehrung der Offiziere ein Übel eindämmen, das
in seinen Folgen von den daran Beteiligten — ohne böse
Absicht — gar nicht erwogen wird.

Professor Viktor Conrad -Wels.

Ein Hüttenbewirtschafter wird von der S. Münster-West¬
falen gesucht für das am 3. September zu eröffnende West¬
falen-Haus auf der Längentaler Alpe im oberen Seiraintal.
Die Stellung wäre am 15. August anzutreten, um die für
die Eröffnung nötigen Vorbereitungen rechtzeitig zu erledigen.
Meldung sogleich an Herrn Ingenieur Otmar Sehrig, Inns¬
bruck, Kaiser Franz Josef-Straße 3 und an die S. Münster-
Westfalen, zu Händen des Herrn Geh. Kriegsrats Dr. Siemon,
Münster in Westfalen, Erplesstraße 32, unter Angabe der
näheren Bedingungen nötig.

Die Eröffnung der „Riesengrotte" bei Triest. Am 5. Juli
wurde die vom Höhlenforscher G. And. Perko erforschte
„Riesengrotte" vom Triester Touristenklub dem allgemeinen
Besuche übergeben. Ein Abstieg in diese bedeutende Karsthöhle
zeigt die große Arbeit, der sich jener Verein auf Anregung des
erwähnten Forscher» unterzogen hat, um dem Besucher eine ge¬
fahrlose Besichtigung zu ermöglichen. Über eine 50 Stufen hohe
Steinstiege gelangt man durch einen ganz schmalen Eingang in
die unterirdischen Räume. Es folgen zwei fast senkrechte
Abstürze von 9 und 21 m Tiefe, welche durch mühevoll
ausgehaute Steinstufen überwunden wurden. Dann geht
es im Zickzack immer tiefer hinab. Der Schlund öffnet sich
immer weiter und das zerklüftete Felsengerüste weist schon
die herrlichsten Tropfsteinbildungen auf. Nach einem halb¬
stündigen Abstiege kommt man endlich in den großen Dom,
der eine Höhe von 138 m, eine Breite von 132 in und eine
Länge von 240 m erreicht und von einer gewaltigen, halb¬
kugelförmigen Kuppel bedeckt wird. Herrlich ist hier die Sta¬
lagmitenbildung; durch einen wahren Säulenwald schlängelt
sich der Weg. Von den Stalagmiten weisen einige die schön¬
sten und merkwürdigsten Formen auf. Vor allem fällt an
den Tropfsteinen dieser Grotte die vielfache Verästelung auf,
derzufolge die Stalagmiten baumähnliche Gestalt annehmen.
Herrlich wirkt auf den Besucher ein Blick auf den Serpen¬
tinenweg und die Steintreppe, über welche der Abstieg be¬

werkstelligt wird, während einer Beleuchtung. Die jetzt so
leicht zugängliche Grotte, die nur eine Viertelstunde weit
von der Endstation der Zahnradbahn Triest-Opcina liegt,
kann von nun an täglich besucht werden, wobei die Be¬
leuchtung durch Azetylenlampen durchgeführt wird.

„Deutsche und deutschfreundliche Gaststätten" in Süd-
Kärnten, Unter-Steiermark, Krain, Küstenland, Triest und
an der dalmatinischen Küste. — Im August vorigen Jahres
erschien die erste Ausgabe dieses Verzeichnisses, welche
rasch vergriffen war und trotz einiger Mängel und Druck¬
fehler großen Beifall fand. Soeben ist nun eine zweite,
sorgfältig durchgesehene Ausgabe erschienen, welche allen
Sektionen des Alpenvereins in einigen Stücken zugeschickt
wurde. Das 15 Seiten starke Schriftchen ist von einer Reihe
von Vertrauensmännern überprüft worden und kann von der
Buchhandlung Johann Heyn in Klagenfurt unentgeltlich be¬
zogen werden. Im Sinne der Herausgeber machen wir auf
das Verzeichnis aufmerksam; wir veröffentlichen dasselbe
zugleich im Anzeigenteile.

Vajolet-Ostturm. Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter
den sechs Vajolettürmen wird der von der Vajolet-Hütte aus
sich so eindrucksvoll darstellende Aufbau des Ostturms ver¬
hältnismäßig selten eines Besuchs gewürdigt, obwohl seine
Ersteigung keine besonderen Schwierigkeiten bietet; sie war
aber bisher nur auf einem weiten Umweg von Nordosten
oder Westen möglich; die direkte Ersteigung von der Vajolet-
Hütte aus über die Südostwand wurde mehrmals versucht,
aber stets ohne Erfolg. Auf Anregung und unter Führung
von G.B. Piaz versuchten Diplomierter Ingenieur E. Kron¬
stein-Wien und Landgerichtsrat Müller-München am
22. August 1907 die Südostwand zu erklettern. Die unterste
Steilstufe ist von einem auffallend tiefen, schwarzen Kamin
durchzogen, dessen Überwindung nur durch die hervor¬
ragende Geschicklichkeit und Bravour Piaz' sowie dessen
Geduld im Mauerhakenschlagen ermöglicht wurde. Insbe¬
sondere dort, wo ein herunterhängender Block zum Austritt
aus dem Kamin und zur Erkletterung eines fast grifflosen
Wandls in vollständiger Ausgesetztheit nötigt, verbinden
sich Schwierigkeit und Gefährlichkeit in einem Maße, daß
die Route anderen hervorragenden Touren, wie z. B. Mar-
.molatasüdwand, an die Seite gestellt werden darf. Von der
Marmolata unterscheidet sich aber die Tour angenehmer¬
weise dadurch, daß sie nicht bloß kürzer und auf ganz
kurzem Anstieg erreichbar ist, sondern auch, daß die drei

froßen Terrassen vortreffliche Gelegenheit zur Rast und Er-
olung bieten. Der weitere Verlaut der Ersteigung brachte
anregende, aber nicht außergewöhnliche Schwierigkeiten. Die
ganze Tour ist infolge ihrer Abwechslung in den technischen
Anforderungen und ihrer alpinen Reize als hochinteressant
zu bezeichnen.

Orientierungspanoramen. Das durch ihre zahlreichen Ge-
birgsreliefs als ebenso rührig wie leistungsfähig bekannte
Geoplastische Atelier von Siegfried Julius Hirth du Frenes
in München, Rottmannstraße 8, hat auch eine Anzahl Orien¬
tierungspanoramen herausgegeben, von denen uns das des
Vorderen Brunnenkogels im Ötztal, der Reitherspitze bei
Seefeld und der Zugspitze vorliegen. Diese Panoramen, bei
denen, wie der Herausgeber selbst sagt, nur auf Klarheit
und nicht auf künstlerische Wirkung Gewicht gelegt ist,
zeichnen sich in der Tat durch denkbar klarste, übersicht¬
liche Zeichnung aus, die ihrem Zwecke, den Beschauer eines
Panoramas möglichst leicht und gründlich zu informieren,
aufs beste gerecht wird. Die Benennung möglichst zahl¬
reicher Gipfel und sonst bemerkenswerter Punkte kommt
diesem Bestreben wirksam zu Hilfe.

Verloren wurde am 6. Mai beim Abstieg von der Ell¬
mauer Halt über die Rote Rinnscharte und Scharlinger Böden
eine graue Lodenjoppe. Nachricht erbeten an Dr. Volkholz,
Heufeld, Oberbayern. — Verloren wurde am Pfingstmontag
auf dem Wege von Geitau zur Kleintiefental-Alm ein braunes
Damen-Lodenjackett. Nachricht, beziehungsweise Abgabe
gegen gute Belohnung an L. Winklmaier, München, Lilien¬
straße 5/1.

Gefunden. In der Geraer Hütte wurde ein goldener
Ring gefunden. Derselbe ist gegen nähere Beschreibung
beim Hüttenwirt Fröhlich in St. Jodok bei Steinach am