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Amtsblatt 1949 Nr. 06 - Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck
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. Jahrgang

Die
und das neue Kraftwerk Mühlau der Stadt Innsbruck

Dir. Dipl.-Ing. A. Croce nnd Tir. Ing. E. Ma aß.

Wer je eininal die Südhängc der Nordkette durch¬
wandert nnd sich an einein heißen Föhntag vom
Dnrst gequält nach einer Quelle gesehnt hat, den» ist
vielleicht zum Bewußtsein gekommen, »vie wasserarm
nuserc Nordkettc ist. Nnr an einer einzigen Stelle
macht sie eine Ausnahme: im Mühlauer Graben, der
zur Arzler Scharte hinaufzieht und über welche das
Gebiet der Pfeisalpe erreicht loerden kann. Dort stürzt
ein wildes Bergwasser zn Tal, das von einer Anzahl
großer und einigen kleineren Quellen gespeist -wird.
Wer für diese nicht gerade selbstverständliche Erschei¬
nung eine Erklärung sncht, der muß einen Geologen
fragen, der ihm etwa folgendes antworten wird:

Die Nordkctte, als die südlichste der vier Karweudel-
tetten, besteht ans einem sogenannten Grundgebirge,
über das sich einmal vor Iahrmillionen vom Süden
her eine zweite Gebirgsmasse, die sogenannte Inntal-
decke geschoben hat. Das Grundgebirge ist znfolge sei
ner geologischen Znsammensetzung im wesentlichen
wasserundurchlässig^ „während das mächtige Kalk-
svstem der Inntaldecke mit seinen zahllosen Schicht-
sugen und klüfteu einen riesigeil Wasserspeicher dar¬
stellt", wie Hofrat Dr. Qlto Ampferer nachwies, des¬
sen Lebensarbeit die Erforschung des geologischen Auf-
danes des Karwendelgebirges war. Da die Schichten
des aufgelagerten Kalkgesteins nach Norden falle», wird
die Nordkette iu ihrer ganzen ^ängserslreckung auch
nach Norden entwässert. Nur in der Mülilauer Klainm
treten mächtige Quellen nach Süden aus, so daß es
nach Ampferer „für jeden Kenner des geologischen
Gebirgsbanes von vornherein klar ist, daß diese schö
neu Quelleu für die Nordtette eine Ausuahmserschei
uung sind, der eine besondere Bananlage des Gebir
ges an dieser stelle zngruirde liegen muß. Man mnß
da ans eine große Querstörung schließen, welche iu
der Nichtuug ^iühlauer >tlamm Ar;ler Scharte
Samertal das ganze befuge der ^nnlaldecke zerrissen
hat. Diese Quellen enlwässern niclil nur den Hinter

grnnd der Mühlauer Klamm bis znr Kammhöhe,
sondern sie führen große Wassermassen unterirdisch
aus dem Bereiche der Pfeisalve vom Norden her dem
^nntal zu". So ist es auch verständlich, daß das auf
Grnnd der Wassermengen anzunehmende Einzugsge¬
biet etwa 35^Qnadratkilomcter groß ist.

Aus diesen mächtigen Qnellen haben schon unsere
Vorfahren Nutzen gezogen nnd am Unterlanfc des
Mühlaner Baches in alten Zeiten durch Wasserräder
angetriebene Mühlen errichtet, von, denen ja auch
Mühlan seinen Namen hat. Am Ausgange des Mit--
telalters wnrden vom Oberlauf des Baches Frisch-
wasserlcitungcn abgezlvcigt und ans diesen das Trink¬
wasser für die Stadt bezogen. Ein Plan ans der Zeit
der Kaiserin Maria Theresia zeigt dann bereits ein
sogenanntes „Brunncngeleitc", das ans nicht weniger
als acht Holzrohren bestand nnd von einer etwas
oberhalb der Tchweinsbrücke gelegenen ^assnng bis
in die Stadt reichte. Da diese Holzrohre keinem nen¬
nenswerten Wasserdruck widerstehen konnten, mnßten
in die Leitung Druckunterbrechnngen eingebaut wer¬
den nnd floß das Wasser schließlich in öffentliche
Brnnnen frei ans. Wer also iu höheren Stockwerken
wohnte, mußte sein Wasser erst voll nnten holen.
Aber bereits nm das Jahr 1880 befaßte sich der Ge¬
meinderat mit den Stndien für die Errichtung einer
modernen Trinkluasserversorgnngsanlage. die dann in
den wahren 1888 18W auch tatsächlich ausgeführt
wurde. Es war dies die erste Trintwasseranlage nach
dem Hochdrucksystem mit Speichernng. Unweit der
Cchweinsbrücke beim Schillerhof wurde ein Trink¬
wasserreservoir errichtet, das die tageszeitlichen
^chwaut'uugeu des Wasserbedarfes ausglich und
gleichzeitig dafür sorgte, daß sich Schwcbstoffe absetzen
tonnten. Von den Quellen wurden dabei nur "die
Wnrmbachquelle nnd die Quelleu des sogenannten
Klammbachstollens eingeleitet.

Etwa ',uv selben ^eit trat anch die Elektrizität ans